Überangebot überfordert uns immer mehr

Bist du auch schon mal die Regale im Supermarkt abgelaufen und hast dich gewundert über die acht Meter H-Milch-Regale und die gefühlten 300 Packungen Müsli. Obwohl du dir schon beim Betreten des Supermarktes klar gemacht hast, dass du sowohl Milch als auch Müsli brauchst konntest du dich nicht entscheiden. Vielleicht bist du auch verzweifelt und ohne etwas zu kaufen einfach wieder gegangen. Mir zumindest geht es manchmal so…

Wir sind die Opfer einer Gesellschaft, die sich selbst überfordert anhand eines Überangebotes. Diese Überangebote sind vielseitig und vielschichtig. Wir verfügen heute über die Möglichkeit schnell und nahezu grenzenlos zu kommunizieren, wir können weiter und länger Verreisen, wir können im Supermarkt unsere Lebensmittel aussuchen aus kilometerlangen Regalen – aber sind wir dadurch effizienter, freier oder gar glücklicher als die Generationen vor uns? Ganz im Gegenteil: das Überangebot überfordert uns!

Überforderung macht uns krank

Das Überangebot an Möglichkeiten

Logisch, eine E-Mail ist heute schneller und unkomplizierter geschrieben als ein Brief. Aber die vermeintlich gewonnene Zeit ist ein Irrglaube. Natürlich wird eine E-Mail schneller übertragen als ein Brief zu seinem Empfänger per Post gelangen würde, aber schon das setzt den Empfänger wiederrum unter Druck direkt darauf zu antworten. Haben wir früher einen Brief pro Woche geschrieben, so schreiben wir jetzt 50 E-Mails und Kurznachrichten auf unserem Smartphone. Die Menge an Nachrichten die unsere Aufmerksamkeit benötigen nimmt stetig und unaufhaltsam zu. Was hat das mit Überangebot zu tun? Nun ja, wer kennt es nicht:

E-MAIL: Herzliche Einladung zur Geburtstagsfeier!

WHATSAPP: Ihr kommt auch zu meiner Party?

ANRUF: Es geht erst ab 18:00 Uhr los…

Die Beschleunigung im Privaten liegt einerseits an den neuen Formen der Kommunikation, die uns ständig erreichbar machen und uns erlauben immer zeitnaher zu kommunizieren. Und natürlich erwartet jeder, der uns kontaktiert, dass er zeitnah eine Antwort bekommt. Ganz egal auf welchem Kommunikationskanal.

Die Grenzen unserer Beschleunigung ist die Überforderung.

Dass man viele Möglichkeiten zur Auswahl hat (Telefon, WhatsApp, E-Mail, Brief, persönlich, per Brieftaube, Rauchzeichen, etc.), klingt doch erstmal ganz gut. Ist es im Grunde ja auch. Aber ab einem gewissen Punkt der überschritten wird, kann die Vielzahl der Möglichkeiten auch zur Belastung werden. Wie ganz am Anfang beschrieben, kann dies bereits bei ganz banalen und alltäglichen Situationen der Fall sein. Es ist natürlich toll wenn man aus 10 verschiedenen Geschmacksrichtungen einen Joghurt auswählen kann, der einem besonders zusagt. Jedoch gibt es schon heute mehr als 40 verschiedene Joghurt DER SELBEN Geschmacksrichtung in den Kühlregalen der großen Supermärkte. Welchen Schokopudding oder welchen Erdbeerjoghurt, welche Milch oder welches Ei soll ich denn nun nehmen? Die Auswahl kann uns schnell überfordern.

welches lebensmittel soll ich kaufen

Sich zu Entscheiden ist die richtige Wahl

Jedes Festlegen ist verbunden mit einem Verzicht. Und wer will schon auf etwas verzichten? Deswegen fressen wir uns einmal durch die Speisekarte, kaufen so viel ein, dass die Kühlschranktüre gerade noch so zu geht und schreiben eine WhatsApp mit dem Inhalt „wir telefonieren nachher“… Das große „Problem“ das wir denken zu haben, ist die Tatsache, dass die Anzahl an Optionen stetig steigt und wir immer mehr glauben etwas zu verpassen.

Die Wahrheit ist allerdings banal: Wir brauchen nur wenig um glücklich zu sein! Gerade im Bereich der Lebensmittel ist die Anzahl der Produkte sehr überschaubar auf die wir dauerhaft zurückgreifen. Die Auswahl kleinerer Lebensmittelläden tut uns gut, wir übersehen weniger und durchschauen mehr. Das Überangebot das uns überfordert ist natürlich aus rein wirtschaftlichen Interesse vorhanden und wird stetig weiter ausgebaut. Wir werfen lieber konsequent alles weg, die Vielzahl der Möglichkeiten (leider eben auch Lebensmittel), die eben keinen Abnehmer gefunden haben. So bleiben Produkte, Ideen und letztendlich wieder Möglichkeiten auf der Strecke. Ein Teufelskreis. Ich steig aus…

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