Diskussionen im Internet und ihre Folgen: Beleidigungen, Hass und Intoleranz!

Nun ich gebe zu, dass ich zu den Menschen gehöre die selbst eine starke und verankerte Meinung haben. Aber von dieser Meinung nicht mal einen Millimeter abzuweichen, selbst wenn man keinerlei Argumente mehr hat, weder in quantitativer noch in qualitativer Form, das liegt mir nicht.

Nun gut. Ich gebe weiter zu, dass ich lange Zeit immer auf Diskussionen aus war. Ich wollte auf Konfrontation gehen, erst Recht wenn der Gerechtigkeitssinn an mir nagte oder mir gewisse Meinungen und Aussagen schlicht “ zu dumm“ waren. Damit habe ich aufgehört. Nicht weil ich aufgeben habe, aber weil es schlicht nichts bringt. Ich bin jemand der für seine Meinung einsteht, aber nicht an Standpunkten festhält, die einfach nicht mehr tragfähig sind, weil dieses überholt und veraltet sind oder noch niemals tragfähig waren, ich aber zu dumm war es zu kapieren. Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise zu der er erst über eine gewisse Zeit gelangen muss. Erziehung oder Bildung sind nur zwei Beispiele dafür wie Meinungen auch von „außen“ geformt werden. Das aber eine Meinung – so hohl oder auch falsch sie sein mag – aus einem bisher gelebten Erfahrungsschatz entsteht, das ist seit Facebook und Co. wirklich kaum mehr anzunehmen.

diskussionen-im-internet

Warum kommentierst du?

Als Blogger freut man sich über Kommentare. Über manche mehr, über manche weniger. Die Vernetzung mit gefühlten 100 sozialen Netzwerken dient der Reichweitengenerierung und dem Austausch. Doch wie viel Austausch ist da tatsächlich?

Im Speziellen auf Facebook (und Gott sei Dank nicht hier direkt auf dem Blog) gibt es für mich nur noch zwei Arten des Austausches:

  • Kommentare und Statusmeldungen mit null Inhalt und null Resonanz.

Eventuell nehmen diese Menschen Facebook für zu ernst und beantworten die Frage „Was machst du gerade?“ immer dann wenn sie diese Frage wahrnehmen.

  • Kommentare und Statusmeldungen mit dem Hang zur Eskalation.

Egal ob sinnentleerte Parolen von Rechts oder Links, irgendwelche mit erhobenen Zeigefinger deutenden Moralapostel oder Klugscheisser die anderen nur Unfähigkeit unterstellen.

Wieso kommentiert ihr alle? Und wieso gibt es genug Menschen, mich bis vor kurzer Zeit eingeschlossen, die sich auf Diskussionen im Internet einlassen, obwohl dabei so gut wie nie etwas heraus kommt und es zusätzlich und trotz vielleicht guter Argumente, nieeeeemals zu einer Einigung kommen wird. Why?

Wir unterliegen immer wieder diesem Drang uns auf Pöbelei und Streiterei, sowie auf Ungerechtigkeit und Dummheit einzulassen. Man versucht die Leute die da vor sich hinposten und  Dünnschiss in den Orbit jagen, zu besänftigen, umzustimmen oder gar zu verstehen. Am Ende bleibt jedoch jeder bei seiner eigenen, vielleicht auch eingefahrenen Meinung.

Diskussionen setzen etwas voraus was kaum noch ein Mensch aufzubringen vermag: Empathie!

Ich habe lange Zeit geglaubt, dass Diskussionen und generell der Austausch mit anderen Menschen einen Vorschritt für die gesamte Menschheit bedeutet. Genau genommen meine ich damit „Empathie“. Doch wer möchte sich noch großartig anstrengen den Mitmenschen zu verstehen, egal ob er pöbelnd im Internet seine dubiosen Meinungen äußert oder neben dir auf der Couch sitzt. Was angesprochen wurde und nie zu einer Einigung kam, ist nervend und abturned, oder eben auch so krass interessant, wenn man auch auf Krawall und Pöbeleien steht. Einen gemeinsamen Nenner zu finden, gar Einigkeit zu wahren oder sich von seiner eigenen Eigenart und Meinung abzuwenden, dafür bedarf es wahre Stärke.

Wer sich nicht zumindest versucht – und ja es gibt eine Menge absurde Meinungen im Netz- in den anderen Menschen hineinzuversetzen, um vielleicht die wahren Beweggründe zu erforschen, wer nicht freundlich bleibt, der fährt mit auf dem Zug der Entgleisungen. Tschutschu…

Wer es nun schafft eine andere Bewertung der Dinge zu akzeptieren (als die eigene, vielleicht sogar noch beschissenere Meinung) der muss seinen eigenen Standpunkt ja nicht aufgeben, aber zumindest zeitweise so lösen um eine objektive Betrachtung aller Positionen zuzulassen. Das heißt auch noch lange nicht das man am Ende dieser Diskussion etwas annehmen müsste, aber es heißt – und das ist vielleicht viel wichtiger – empathisch zu sein.
In diesem Sinne: Bleibt freudig am diskutieren, stets freundlich (auch wenn es schwer fällt) und vor allem empathisch!

Advertisements