„Dieser Deutsche Blogger kotzt jetzt richtig über die Szene ab – und ihr kennt ihn alle!“

Schön, dass du da bist! Dich hat die Headline hierher geführt? Ist ja nicht schlimm. Wir sind alle neugierig. Schlimm an der Überschrift ist der Inhalt, denn dieser wäre im Kontext zur Headline gelogen: Ich kotze weder über die Bloggerszene ab noch wird mich irgendeiner von Euch kennen.

Die Intention dieser Headline war aber nötig. Wieso? Weil ich deine Aufmerksamkeit brauche. Und nur deine Aufmerksamkeit, denn: Hier gibt es keine Werbebanner auf die du klicken sollst!

Ehrlich gesagt kann ich es gar nicht ausreichend gut in Worte packen, wie sehr mich dieses neuartige „Clickbait-Thema“ ankotzt. Vielleicht weißt du gar nicht was das genau ist. Ich wusste es bis vor geraumer Zeit auch nicht. Darauf reingefallen sind wir aber beide schon.

Was ist eigentlich Clickbait?

Mit sogenannten Clickbait-Schlagzeilen versuchen Websitenbetreiber Leser anzulocken. Das Wort Clickbait selbst könnte man vielleicht mit einem „Klickköder“ übersetzen. Als Schlagzeile dient – ähnlich wie bei einer großen, deutschen Tageszeitung mit vier Buchstaben – ein Appetizer. Sätze- oder Worthülsen wie „was hier geschah ist wirklich unfassbar“ oder „dieser Star beendet jetzt seine Karriere und sie wissen alle wer es ist“ wecken die scheinbar unstillbare Neugier der Leser. Es geht nicht mehr um die Verteilung der Nachricht oder gar um den Inhalt. Der „Klick“ zählt! Dieser bringt anhand von Werbeeinblendungen (Popup oder Bannerwerbung) ebenso Cash in die Kasse wie auch die Werbebotschaften vor Youtubevideos.

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Facebook als Werbemaschine

Das Facebook als soziales Netzwerk gilt, welches sich eben auch über Werbung finanziert und Werbestrategien für die potenziellen Kunden  anbietet, ist eher Fluch als Segen. Wem ist es nicht schon einmal aufgefallen, wenn er bei Google ein paar Suchbegriffe zu seiner nächsten Urlaubsreise eingegeben hat, dazu auf Facebook die passenden Werbebotschaften eingeblendet bekommt?

Facebook ist weniger ein soziales Netzwerk in denen sich Menschen austauschen können, als eine Werbeplattform auf der Kunden gefunden werden. Das wissen auch dubiose Klatsch-Magazine die durch Clickbait-Schlagzeilen die Horde Facebooknutzer auf ihre eigenen Seiten bringen wollen. Dass dies nicht mehr durch Stil und Recherche funktioniert, sondern vielmehr durch Sensationsgeilheit und Unwahrheiten, genau dieser Punkt regt mich sehr auf!

Wenn die Überschrift nicht zum Artikel passt

Viele Nutzer klicken auf Meldungen, Überschriften, Bilder und Videos und sind enttäuscht weil die Nachricht, die Botschaft oder sei es auch nur das Entertainmentangebot sich als viel schlechter entpuppt als das Clickbait es suggerierte. Der Aufbau solcher Inhalte folgt immer nach den selben Vorbildern: Die Headline verspricht durch emotionale Attribute, durch kontroverse Meinungen oder einfach durch stumpfe, verlogene Superlativen, was der Inhalt selten bis niemals halten kann.

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Warum immer mehr Blogger auch auf den Clickbait-Zug aufspringen

Auch ich habe es schon mehrmals gehört: Ein gut gemeinter Ratschlag unter Bloggern lautet bessere Überschriften zu schreiben. Doch was heißt das? Muss ich meinen Lesern etwas vorgaukeln was ich dann gar nicht halten kann? Gute Überschriften bedeuten mehr Aufrufe und eventuell mehr Leser.

Ich möchte niemandem zu nahe treten und keinem vorschreiben was er oder sie zu konsumieren hat. Vielleicht ticken wir Menschen auch so: Immer mehr Information in immer weniger Inhalt. Doch ich bleibe dabei: Was ist wenn weniger Information oder gar die extra falsch gestreute Information, den eigentlichen Inhalt in den Schatten stellen?

Sind wir zu faul zum Lesen? Denken wir Headlines können uns die Komplexität erklären? Wollen wir diese komplexe Welt vielleicht gar nicht mehr? Sondern nur noch schnell und unkompliziert konsumieren? Machen wir uns nichts vor: Der Großteil der Bevölkerung steht eben genau auf das was Clickbait ausnutzt.

Qualität setzt sich durch… irgendwann…

Ich persönlich hoffe darauf das sich Qualität durchsetzt. Ich möchte weder einen Intellektuellen-Zirkel unter meinen Lesern gründen, noch möchte ich das meine Leser dumm sind wie ein Brot. Es ist ein Fakt: Ich als Blogger weiß das meine Überschriften im Feadreader meiner Leserschaft oder in der Timeline von Facebook und Twitter von rund 90 Prozent gelesen werden. Aber gerade mal 10 Prozent klicken sich in den Beitrag rein. Wie viele von euch davon einen Artikel bis in die Mitte oder gar bis zum Schluss lesen, das weiß ich nicht. Eventuell überfliegt ihr auch nur kurz den kompletten Beitrag und habt nur einige Stichworte im Kopf. Wer das hier ließt soll doch einfach mal einen Kommentar verfassen  🙂

Relevanz und Qualität in dem was du täglich konsumierst

Nicht der reine Klick ist wichtig. Aber der reine Klick ist dafür notwendig dass der Inhalt erkennbar wird. Ein Teufelskreis! Deshalb habe ich diesen Versuch gewagt: Ich habe diesen Beitrag dort gestreut wo er „relevant ist“. Also in Bloggergruppen, in Facebook und auf Twitter. Ich wollte nicht eine Enttäuschung bei dir provozieren und dich auch nicht anlügen. Ihr habt zuerst Erwartungen geschürt und die Neugier gehabt, herauszufinden was hinter dieser Headline steckt.

Sollte ich das öfters tun gewinne ich durch mehr Klicks, kurz- und vielleicht auch noch mittelfristig neue Leser dazu. Am Ende kommentiert ihr vielleicht auch mehr: Ihr sagt mir ich soll mit der Irreführung aufhören. Langfristig werdet ihr jede Meldung von mir meiden. Genau dieses Problem wird auch langfristig die Online-Medien beschäftigen: Sie gewinnen vielleicht kurzzeitig an „Klickreichweite“ doch verspielen sich ihr Vertrauen und dadurch auch die Werberelevanz. Welcher Marketing-Fuzzi möchte schon auf einem Medium Werbung schalten das immer wieder mit seinen Lesern oder Zuschauern spielt?

Was zählt ist die Glaubwürdigkeit!

Und ich glaube wir sind durch! Du hast verstanden worauf ich in diesem Beitrag hinaus wollte. Ich würde mich freuen wenn du mir meine kleinen Flunkereien verzeihst. Und ich möchte mich bedanken das du Teil dieses Versuch warst und mir vielleicht deine Sichtweise in den Kommentaren hinterlässt. Ich würde mich über eine gute Diskussion mit dir freuen!

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