Neulich bei uns im Laden:

„Haben sie die Eier hier nicht mehr?“

fragt ein Kunde und fuchtelt wild vor der leeren Palette mit seinen Händen auf und ab.

„Die Eier für ,-99 Cent kommen gerade. Der Fahrer hat sie eben erst abgeladen. Bin gerade dabei sie wieder aufzufüllen. Dauert kurz noch 5 Minuten“.
„Ich hab keine Zeit!“,
jammert der Kunde weiter.

Ich empfehle ihm dann die anderen Eier aus unserem Sortiment:

„Bio-Eier, Freilandhaltung oder Regionale Eier, hätten wir noch nebenan stehen. Nehmen sie doch schnell die.“
 
Die sind mir zu teuer! Ich muss dann wohl zur Konkurrenz“ 




Bin ich selbst ein Ökohipsterveganer?

Ich selbst habe hier auf diesem Blog vor einiger Zeit drei kleine „Kurzgeschichten“ mit dem Titel „Ökohipsterveganer“ geschrieben. In diesem Text machen ich mich etwas über die Thematik lustig und bemerke jedoch, dass auch ich ein kleiner Teil dieses durchaus positiven Prozesses geworden bin. Denn eins ist klar: wenn du Veganer bist, bleibt mehr Fleisch für mich übrig! Scherz! Verkneift euch böse Kommentare!

Ich selbst sehe mich nicht als Öko, ich bin weit weg von einem vegetarischen oder gar veganen Leben. Dass das nicht besonders hip ist, ist mir Wurst. Denn ich mag Wurst! Ich mag auch RTL-Sendungen oder diese ganzen Scheissnachrichten über die Wollnys oder über irgendeine Bachelor-Schlampe.
Ihr seht schon, ich rege mich wirklich auf!

Ich rege mich über diese ganzen verkackten Idioten auf, die mit ihrem BMW mit laufendem Motor vor Alnatura stehen und warten bis ihre verpickelte, jutebeuteltragende, schwangere, Vegetarierfreundin raus kommt und die Sachen im Auto verstaut.
Ich mag solche Menschen genauso, wie Idioten die Eier für ,-99 € Cent kaufen. Wohlgemerkt zehn Stück sind da in der Verpackung!
Wieso könnt ihr nicht alle mal ein bisschen normaler sein?


Zwischen Übermenschen und Gutmenschen, fühle ich mich immer so mies

Regt euch doch nicht auf, dass nur Scheissdreck im Fernsehen kommt. Das liegt hauptsächlich daran, weil ihr den ganzen Mist anschaut!

Im Prinzip genauso ist das auch mit dem Essen.
Nur eine handvoll Konzerne produziert, was bei Aldi und Lidl in die Regale kommt. Diese gesammelte „Produktionsmacht“ ist natürlich ein ordentlicher Scheissdreck, aber man steckt halt nicht drin!
Nun ist es ein leichtes Spiel zu behaupten, Produktion oder gar der Handel sei an allem Schuld. Das stimmt nicht! WIR sind an allem Schuld!


Wenn ich euch das am „Eier-Beispiel“ weiter erläutern dürfte:

Diese berühmten ,-99 Cent-Eier, die zuerst Aldi und dann Lidl auf diesen heftig niedrigen Preis gesenkt haben, stehen in beiden Unternehmen auf einer Palette. Bio-Eier und Regionale-Eier, stehen direkt daneben in einzelnen Verpackungseinheiten. Darin enthalten sind vielleicht 20 Eierkartons.

Die Umschlagshäufigkeit von den Eiern ist also selbsterklärend!
Was genau ist also mein Problem?
Wer Eier fressen will, für einen Preis der unter aller Sau ist, der soll das tun. Doch derjenige soll auch beim nächsten Fleischskandal oder bei der nächsten Burger-King-Enthüllung einfach den Rand halten und brav sein vollgepumptes Antibiotika-Schnitzel fressen.
Der Preis ist eben nicht nur das was du an der Supermarkt-Kasse der Kassiererin hinlegst, sondern vielmehr: Tierschutz, Nachhaltigkeit, gesundes und natürliches Wachstum, Fairness gegenüber Herstellern und Erzeugern und vieles mehr…


Der Weg ist das Ziel!

In einem durchschnittlichen Menschenleben essen wir 1094 Tiere. Sehr einfach ist es nicht, diese Zahl nun auf null zu reduzieren. Die Wahrheit ist: man müsste es auch gar nicht!
Was die Menschen wollen ist eben nicht mehr ein Hähnchen, sondern nur noch die schmackhaften Hähnchenflügel in leckere Barbecue-Soße dippen. Ein Hähnchen hat aber nur zwei Flügel – denkt mal bei der nächsten Chickenwings-Bestellung darüber nach!

Jeder will jeden Tag Fleisch, am besten geschenkt. DAS geht nicht!
Aber genau diese Einstellung zur Nahrung beschleunigt die Massentierhaltung und das Preisdumping.

Generell kann ich aus meiner täglichen Erfahrung davon berichten, dass das Verständnis von Ernährung und der damit verbundenen Nahrung immer mehr gegen die Wand fährt.
Die Sachen und Dinge sind nur noch Waren – keine Nahrungsmittel! Der Respekt an Lebensmittel ist verloren gegangen.

So ist es üblich die Pizza, die man spontan doch nicht mehr mitnehmen möchte, kurz vor der Kasse irgendwo zwischen die Regale zu werfen. Drei Kartons Salatgurken auf einem Karton Fleischtomaten? Kein Problem, denn die unterste Gurke schmeckt ja generell am Besten. Zurückstellen? Wieso auch? Die Tomaten sind jetzt eh schon zermatscht!
Fleisch das man heute Abend auf den Grill legt, soll nur bis heute haltbar sein? Ja pfui Teufel, ich nehme immer das mit dem längsten Mindesthaltbarkeitsdatum und wühle mir die Finger wund.


Wirklich alles schlecht?

Ich glaube wir sind auf einem sehr, sehr langem aber ganz gutem Weg angekommen. Ob dieser nun auch bis zu Ende gegangen wird, bleibt abzuwarten.
In den 90er hat es niemanden großartig interessiert woher unsere Nahrung eigentlich kommt. Ein Bio-Laden war höchstens ein Nischengeschäft für Grüne-Wähler.
Heute finden wir auch Bio-Nahrung im Supermarkt. Regionale Anbieter finden immer mehr Anklang!
Jetzt alles schlecht zu reden oder gar zu behaupten, dass dies „minderwertiges Billig-Bio“ sei, verschreckt nur wieder und hält den Prozess eher wieder an, als das er durch gute Argumente weiter ins Rollen gebracht wird!
Denn eins ist auch klar: ein Bio-Landwirt von Heute, kann nicht durch einen „Nischenabnehmer“ wie einem kleinen Tante Emma-Laden überleben.
Wer wirklich einen Wandel in der Essenskultur herbeiführen möchte, braucht wiederum die großen Abnehmer wie Edeka, Aldi und Lidl.
Für viele Menschen klingt das nach einem Widerspruch!

Militante Veganer die sich ihre Butter aus Ohrenschmalz selbst destillieren. Auch diese Gruppierung regt mich im gleichen Maße auf, wie solche „Eier-Menschen“ aus dem Beispiel vom Anfang.
Alles schlecht reden und zum lachen in den Keller gehen. Chia-spuckende Demeter-Jünger die den Moralapostel täglich mit Handschlag begrüßen.
Für mich genauso schlimme Tyrannen, wie Menschen die respektlos mit Essen umgehen!

Lasst uns gemeinsam handeln und nicht, „Wasser predigen und Wein trinken“. Aber lasst uns auch nicht den guten Wein hinstellen und den Gästen nur Wasser zum Trinken anbieten!

Es gibt gute Mittelwege: weniger Fleisch, etwas darauf achten keine Nahrung wegzuwerfen. Regionales und Saisonales bevorzugen, Preisdumping nicht unterstützen und vor allem respektvoller mit Essen umgehen!


Wichtige Schritte sind gegangene Schritte! 


Vielleicht bekommen wir dann mal die Bio-Eier auf Paletten…? Wer weiß…

Advertisements